Wie vielfältig die Aufgaben der Jägerschaft sind und vor welchen Herausforderungen die Jagd gerade im stadtnahen Raum steht, zeigte ein Treffen der Jägerschaft Lingen mit Oberbürgermeisterkandidat Jens Hofschröer auf dem Hof von Josef Schröer am 31.08.2026. Neben einer Revierrundfahrt standen praktische Einblicke in die Arbeit der Jägerschaft sowie der Austausch über aktuelle jagd- und kommunalpolitische Themen auf dem Programm.
Jochen Roling, Vorsitzender der Jägerschaft Lingen, nutzte die Gelegenheit, dem OB-Kandidaten die Erwartungen und Anliegen der Jägerschaft mit auf den Weg zu geben. Dabei wurde deutlich, dass jagdliche Themen auch auf kommunaler Ebene zunehmend an Bedeutung gewinnen. Gerade dort, wo Siedlungsräume und Lebensräume von Wildtieren aufeinandertreffen, sind praktikable Lösungen, gegenseitiges Verständnis und eine enge Zusammenarbeit gefragt.
Ein Schwerpunkt des Gesprächs war die Ausbreitung von Neozoen. Insbesondere die Nutria stellt die Jägerschaft zunehmend vor Herausforderungen. Ihre weitere Ausbreitung und die damit verbundenen Schäden machen eine wirksame Regulierung notwendig. Gleichzeitig wird die Bejagung schwieriger, sobald sich die Tiere in unmittelbarer Nähe zu Siedlungen und stark frequentierten Bereichen aufhalten.
Die Jäger schilderten, dass notwendige jagdliche Maßnahmen in Stadtnähe in Teilen der Bevölkerung auf Unverständnis oder fehlende Akzeptanz stoßen. Neben praktikablen jagdlichen Möglichkeiten sind deshalb auch Information und Aufklärung gefragt. In diesem Zusammenhang wurde ebenfalls die Jagdgesetznovelle und die Frage thematisiert, welche Regelungen für urbane Bereiche notwendig sind, um auch dort eine fachgerechte und sichere Regulierung von Wildbeständen zu ermöglichen.
Jens Hofschröer machte im Gespräch deutlich, dass ihm die Bedeutung der Jagd und insbesondere die Notwendigkeit der Bejagung von Neozoen bewusst sind. Dabei kann er bereits auf eigene Berührungspunkte mit jagdlichen Themen zurückgreifen: Durch die Bearbeitung der Jagdpachtverträge der Stadt Wolfsburg kennt er auch die kommunale Seite des Jagdwesens. Im Austausch sprach er sich entsprechend für die Notwendigkeit einer verantwortungsvoll ausgeübten Jagd und eines wirksamen Wildtiermanagements aus.
Dass die Arbeit der Jägerschaft weit über die eigentliche Jagdausübung hinausgeht, wurde anschließend auch praktisch demonstriert. Philipp Brand stellte das Drohnenteam der Jägerschaft vor und erläuterte dessen Einsatz bei der Kitzrettung. Mithilfe von Drohnen und Wärmebildtechnik können insbesondere vor der Mahd landwirtschaftlicher Flächen Rehkitze aufgespürt und vor dem Mähtod bewahrt werden. Die Vorführung vermittelte einen unmittelbaren Eindruck davon, wie moderne Technik, Landwirtschaft und ehrenamtlicher Einsatz beim praktischen Wildtierschutz ineinandergreifen.
Ein weiterer Programmpunkt war die Vorstellung des Präparatewagens der Jägerschaft Lingen. Mit zahlreichen Präparaten heimischer Wildtiere ausgestattet, dient er der Ausbildung, Umweltbildung und Wissensvermittlung. Er ermöglicht es, heimische Tierarten anschaulich vorzustellen und Wissen über deren Lebensräume und Lebensweisen zu vermitteln. Damit ist der Wagen zugleich ein wichtiges Instrument der jagdlichen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit.
Bei der gemeinsamen Revierrundfahrt konnten die zuvor angesprochenen Themen unmittelbar in der Praxis vertieft werden. Der direkte Blick ins Revier machte deutlich, wie eng Jagd, Landwirtschaft, Naturschutz, Wildtiermanagement und die zunehmende Nutzung der Landschaft durch den Menschen miteinander verbunden sind.
Zum Abschluss bot Wild vom Grill den passenden Rahmen, um die Gespräche in geselliger Atmosphäre fortzusetzen. Für die Jägerschaft Lingen war der Besuch eine gute Gelegenheit, die Bandbreite ihrer Arbeit zu präsentieren und zugleich aktuelle Herausforderungen offen anzusprechen.
Der Austausch zeigte einmal mehr, wie wichtig der direkte Dialog zwischen Jägerschaft, Kommunalpolitik und Bevölkerung ist, wenn es darum geht, tragfähige Lösungen für den Umgang mit Wildtieren und die Jagd im zunehmend urban geprägten Umfeld zu finden.
Dennis Lögers, Obmann für Öffentlichkeitsarbeit der Jägerschaft Lingen
